Albertinen-Akademie Weiterbildung »Fachergotherapeut/in Demenz« (DEMERGO) Webseite: www.Demergo.de
Mit Zertifikatsabschluss: »Fachergotherapeut/in Demenz« nach Gudrun Schaade
Januar-November 2013

Wir danken dem BED (Bundesverband für Ergotherapeuten in Deutschland) für die tatkräftige Unterstützung.

Download Flyer Fachweiterbildung (PDF)

Link(Inhalt weiter unten): Erarbeitung von Grundlagen für eine Zertifizierung: Ergotherapie bei Demenz

Antworten auf die Fragen, die uns gestell wurden!

1. Der Arbeitskreis "Ergotherapie & Demenz Hamburg" hat beschlossen, diese Weiterbildung anzubieten. Aus welchen Richtungen kommt eigentlich der Bedarf nach dieser Fortbildung - von Praxisinhabern, Arbeitgebern oder Arbeitnehmern?

Der Bedarf nach einer gezielten Weiterbildung kommt aus verschiedenen Richtungen.

Er kommt von Ergotherapeuten, die schon im Beruf stehen, sowohl von Praxisinhabern, als auch von Angestellten, vor allem aber aus der Nachfrage von Angehörigen und Zugehörigen demenziell erkrankter Menschen, auf der Suche nach Ergotherapeuten, die eine fundierte, auf Demenz ausgerichtete Behandlung anbieten können. Auch im professionellen Bereich, bei Beratungsstellen und Ärzten, nimmt der Ruf nach besonders qualifizierten Ergotherapeuten zu. Im Zuge des demographischen Wandels sehen sich Praxisinhaber, die jahrelang mit pädiatrischem Schwerpunkt tätig waren, einem zunehmenden Bedarf demenzkranker Menschen in der Häuslichkeit, in Heimen oder Demenz-WGs gegenüber.


2. Die Broschüre besagt, dass sich Ergotherapeuten im Arbeitsfeld Demenz hilflos fühlen. Ist das eine Bankrotterklärung für die Examensausbildung? Vermögen auch die ergotherapeutischen Studiengänge in Deutschland nicht, diese Lücke zu schließen?

Es handelt sich natürlich nicht um eine ?Bankrotterklärung der Examensausbildung?. Diese ist eine fundierte, umfangreiche und ausgesprochen breit gefächerte Ausbildung. Weiter- und Fortbildungen für verschiedene Arbeitsfelder sind unerlässlich, z. B. in den Bereichen Pädiatrie, Psychiatrie, Handchirurgie und eben auch im Bereich Demenz. Das Studium ist ebenfalls sehr breit gefächert angelegt, so dass eine wirkliche Vertiefung der Kenntnisse für die ergotherapeutische Behandlung demenzkranker Menschen nicht erfolgt. Im Einzelfall kann dies in einer Bachelor-Arbeit als Thema bearbeitet werden.


3. Gudrun Schaade gilt im Bereich Geriatrie der Ergotherapie ohne Zweifel als Wegbereiterin, ihr Buch "Ergotherapie bei Demenz" als Standardwerk. Kritische Stimmen bemängeln indes die fehlende Wissenschaftlichkeit von Schaades Arbeiten, die insbesondere der wichtiger werdenden Evidenzbasiertheit nicht Rechnung tragen. Welchen Wert und welche Bedeutung hat das Etikett "nach Gudrun Schaade" gegenüber entscheidenden Akteuren?

Evidenzbasierte Medizin bedeutet ursprünglich ?auf Beweismaterial gestützte Heilbehandlung?. Definiert wird evidenzbasierte Medizin als der bewusste, ausdrückliche und wohlüberlegte Gebrauch der jeweils besten Information für Entscheidungen in der Versorgung eines individuellen Patienten. Dieses hat Frau Schaade auf Grund ihrer praktischen Erfahrungen und der darauf basierenden Schlussfolgerungen innerhalb der letzten 30 Jahre mit hunderten Patienten durchgeführt und ihre Beobachtungen und Analysen in Ihren Schriften aufgezeigt. Bisher ist uns auch kein anderer ergotherapeutischer Ansatz in diesem Bereich bekannt. Frau Schaades Ansatz hat sich über die Grenzen der Bundesrepublik ausgedehnt und ist inzwischen weit bekannt. Wert und Bedeutung dieses ?Etiketts? kann nur jeder Einzelne für sich entscheiden.

Natürlich braucht evidenzbasierte Praxis Forschungsergebnisse. Alle Studien wie ?HEDI? in ?FIDEM?, ?WHEDA? oder ?ERGODEM? sind nur auf Stadien leichter bis Anfang mittlerer Demenzerkrankung ausgerichtet. Recherchen z. B. bei ?otseeker? ergeben nahezu durchgehend Ergebnisse nur für ?mild to moderate? bzw. ?early stage Dementia?. Frau Schaade - und damit die Weiterbildung - behandelt die ganze Bandbreite der Demenzerkrankung, bis hin zum schweren Stadium. Gern würden wir auch mit Forschungsergebnisse im Bereich schwerer Demenz arbeiten, aber leider gibt es diese bisher nicht.


4. 1.400 Euro klingen in der Summe zwar teuer, relativieren sich aber schnell angesichts der für 126 Zeitstunden Fortbildung. Dennoch: Wie rentiert sich die Bildungsinvestition? Mit welchem Einkommenszuwachs oder welchen Aufstiegschancen dürfen Teilnehmer rechnen?

1.400,- ? sind für eine Weiterbildung in diesem Zeitumfang ein sehr gutes Angebot.

Es handelt sich um 168 Unterrichtseinheiten, die in 9 Modulen plus Prüfung / Abschluss angeboten werden.

Leider führen - anders als viele Weiterbildungen für Physiotherapeuten - Fort- und Weiterbildungen für Ergotherapie nicht unmittelbar zu Einkommenszuwachs und verbesserten Aufstiegschancen. Das gilt ebenso für die Ausbildung zum Bobath- oder SI-Therapeuten. Die Weiterbildung ?Fachergotherapeut Demenz? führt vor allem zu Wissenszuwachs, erhöht den Bildungsstand und die Qualität der Therapie. Sie kann weiterhin auf die bestehende Fortbildungsverpflichtung für Ergotherapeuten angerechnet werden. Der Nachweis einer Zertifizierung erleichtert es Ratsuchenden, geeignete Therapeuten zu finden. Zertifizierte Ergotherapeuten haben gelernt, therapeutische Maßnahmen und Möglichkeiten im Bereich Demenz auch für Außenstehende transparent darzustellen.


5. Einige Ergotherapeuten befürchten einen zunehmenden Wettbewerb mit Betreungsassistenten nach § 87b SGB XI. Welche berufspolitische Bedeutung hat die Fortbildung vor diesem Hintergrund?

Die Diskussionen um die Unterscheidung zwischen Betreuungsassistenten und Ergotherapeuten begleiten unseren Berufsalltag schon seit einiger Zeit.

Es ist gut, wenn zunehmend verschiedene Berufsgruppen - Professionelle, Halbprofessionelle und ehrenamtliche Kräfte - demenziell Erkrankte versorgen, betreuen und pflegen.

Zusätzlich bedarf es aber des Fachwissens und der Erfahrung von (Ergo)-Therapeuten.

Es kommt vor, dass Heimleitungen den Unterschied nicht (an)erkennen können.

Es entsteht der Eindruck, dass sie vor allem die höheren Personalkosten sehen und annehmen, dass angelernte Betreuungsassistenten gleiche Arbeit leisten können.

Oft besteht auch unter Ergotherapeuten eine große Unsicherheit, welche Aufgaben sie in den Heimen übernehmen können, dürfen bzw. sollen. Ergotherapeuten werden häufig berufsfremd eingesetzt, unter anderem für pflegerische Tätigkeiten. Manchmal entsteht der Eindruck, dass nur noch das ?Etikett? Ergotherapie für die Außendarstellung genutzt wird, aber wirkliche Ergotherapie nicht mehr stattfindet.

Immer mehr demenziell erkrankte Menschen werden in Heimen betreut. Deshalb wird auch dort die Erfahrung und Kompetenz von Ergotherapeuten vermehrt benötigt. Durch die Zertifizierung kann die unterschiedliche, erheblich höhere Qualifikation der Ergotherapeuten auch für Heimleitungen deutlicher gemacht werden. Die angestellten Ergotherapeuten werden dadurch in ihrer Position gestärkt.

Berufspolitisch bedeutet dies, dass (nicht nur) in Heimen durch eine Zertifizierung im Bereich Demenz die eigentlichen Aufgaben der Ergotherapie wieder in den Vordergrund gerückt werden.


Erarbeitung von Grundlagen für eine Ergotherapie bei Demenz


Wir sind eine Arbeitsgruppe des Fachkreises ?Ergotherapie und Demenz- Hamburg? und verfolgen das Ziel einer Zertifizierung für ErgotherapeutInnen im Hinblick auf das Krankheitsbild Demenz.


Was qualifiziert uns?

Wir sind ErgotherapeutInnen, die seit vielen Jahren in der praktischen Arbeit mit demenziell Erkrankten tätig sind.


Wir kommen aus dem ambulanten und stationären Bereich, behandeln Menschen mit leichter Demenzerkrankung bis hin zur schweren Form der Demenz.


Wir arbeiten auf der Grundlage verschiedener Fort- und Weiterbildungen, empirisch gewonnener Erkenntnisse und im regen fachlichem Austausch.


Wir halten Vorträge, geben Seminare, coachen Kollegen und bilden Praktikanten im Bereich Ergotherapie aus.


Wir versuchen durch verschiedene Medien, wie Bücher, Zeitschriftenartikel, Broschüren und Fernsehauftritte mit dem Thema Demenz und Ergotherapie die Öffentlichkeit zu erreichen.


Wir arbeiten an der Entwicklung von Therapiematerialien, vor allem für demenziell erkrankte Menschen die schwerer betroffenen sind.


Wir engagieren uns in verschiedenen Verbänden wie Alzheimer Gesellschaft, DED (Deutsche Expertengruppe Dementenbetreuung), dem DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten) und BED ( Bundesverband für Ergotherapeuten in Deutschland)


Wir beobachten den Markt für Fort- und Weiterbildungen und geben Entscheidungshilfen.


Eine Zertifizierung ist sinnvoll:

- Um den Betroffenen und ihren Angehörigen die Suche nach einer fachlich versierten ErgotherapeutIn zu erleichtern.

- Um ein einheitliches Vorgehen in der ergotherapeutischen Arbeit mit demenzkranken Menschen anzustreben.

- Als Qualitätsmerkmal für in diesem Bereich tätigen ErgotherapeutInnen.

- Um die in der Ausbildung erworbenen Kenntnisse zu festigen und durch notwendiges weiterführendes Fachwissen zu ergänzen.


Für die Umsetzung dieser Zertifizierung suchen wir Kooperationspartner.

Kontaktadresse : gudrun@schaade.de


Pro und Kontra einer Zertifizierung

Pro

Kontra

Fachwissen kann nicht in der Ausbildung abgedeckt werden

Kosten: nicht jeder kann sich Fortbildungen leisten

Expertensuche erleichtern

Das nötige Wissen schon in der Ausbildung erhalten

Qualitätsmerkmal

?Fachidioten?

Einheitliches Vorgehen in der Arbeit


Viele Einzelfortbildungen sind teurer als eine gezielte Fortbildung/Zertifizierung


Angehörige haben längst festgestellt, dass nicht alle ErgotherapeutInnen Erfahrungen mit demenziell erkrankten Menschen haben: statt über Mund zu Mund Propaganda ? offiziell zertifizierte ErgotherapeutInnen suchen und finden


angrenzende Berufsgruppen haben sich spezialisiert z.B. Pflegekräfte (OP-Pflege, Psychiatrie-Pflege, Kinderpflege,

Altenpflege, ?), aber auch Logopäden und Physiotherapeuten



Geplante Inhalte

Zertifizierung ?Ergotherapie bei Demenz?


1. Medizinisches Wissen

Was ist Demenz? (ICD; primäre und sekundäre Demenz)

Abgrenzung Delir und Depression zur Demenz

Abgrenzung Korsakow

Stadien

Diagnostik ? Tests

Medikamente

Multimorbidität ? andere geriatrische Krankheitsbilder

Aktuelle Forschung


2. Ergotherapeutisches Basiswissen

Ergotherapeutische Befunderhebung

anhand der ICF

Zielsetzung

Therapieplan erstellen

Dokumentation

Wie führt man Fallbesprechungen durch?

Modelle: MOHO, CMOP


3. Ziele der ergotherapeutischen Arbeit

Kognitive Leistungen bei Beginn fördern

Handlungsorientierung bei Beginn fördern

Körperwahrnehmung beeinflussen

Essenstörungen beeinflussen

Sturzprophylaxe

Kontrakturenprophylaxe ( vor allem Hände und Arme)

Kommunikation fördern

Sozialverhalten verbessern

Herausforderndes Verhalten beeinflussen

4. Neuropsychologisches und Neurophysiologisches Wissen

Was beinhaltet Kognition?

Was ist Wahrnehmung?

Welche Konzepte gibt es dazu?

Affolter,

SI,

Basale Stimulation,

Kinästhetik,

Bobath,

Praktische Umsetzung dieser Konzepte nach Schaade


5. Basiswissen zur Versorgung Demenzkranker

allgemeine Methoden:

Biographiearbeit, Milieutherapie, 10 Minuten-Aktivierung,
SET (Selbsterhaltungstherapie), Integrative Validation,
Personenzentrierter Ansatz (Kitwood), DCM, Maeutik, Böhmsche Pflegemodell

ergotherapeutische Methoden:

Wohraumanpassung, Einzeltherapie, Gruppentherapie, ADL, Handling


6, Grundbedürfnisse und Besonderheiten bei einer Demenzerkrankung

Essen, (Probleme in der Nahrungsaufnahme, Schluckstörungen, Hunger, PEG)

Schmerz

Schlaf-Wach-Rhythmus

Was bedeutet Inkontinenz bei Demenzerkrankung?

Religion/Spiritualität

Demenzerkrankte im Akut-Krankenhaus

Sterbebegleitung

sozialwissenschaftliche Grundlagen

Demographische Wandel

Betreuungsmöglichkeiten:

Häuslichkeit,

Tagespflege

Wohngemeinschaften,

Stationäre Betreuung (Heime, integrativ und segregatativ)

Pflegeoasen

Angehörige, (Angehörigenberatung, Alzheimer Gesellschaften)

ehrenamtliche Mitarbeiter, (Wie schult man diese)

Zusammenarbeit mit Pflegekräften, Physiotherapeuten, Musiktherapeuten, Logopäden

Umgang mit Betreuungspersonen nach §87b


7. Allgemeine Hinweise

Kommunikationsstile

Aufbau von Netzwerken

Mitarbeit in Alzheimer Gesellschaften

Wie kommt man an Gelder für die Versorgung?


8. rechtliche Grundlagen

Vorsorgevollmacht - Patientenverfügung

Pflegeversicherungsstufen

Haftung

Geschlossene Unterbringung

Fixierung

Verdeckte Medikamentengabe

Datenschutz


9. Selbstsorge der Therapeuten

Supervision

Abgrenzung

Distanz und Nähe zum Patienten

Abgrenzung zu anderen Berufsgruppen

Nein- sagen lernen


10. Prüfung und Zertifizierung

Der Kurs soll an 8 Wochenenden über ein Jahr verteilt stattfinden, der letzte Termin ist die Prüfung.


Alle TeilnehmerInnen bringen mindestens ein Fallbeispiel mit.

Die Fallbesprechungen finden ab dem 2. Wochenende statt.

(Falldarstellung ggf. im Film, zwei Falldarstellungen pro Wochenende)


1. WE -> Modul 1+2 (Medizinisches Wissen/Basiswissen)

2. WE -> Modul 3 (Ziele der ergotherapeutischen Arbeit)

+ Fallbesprechungen

3. WE -> Modul 4 (Neuropsychiologisches und Neurophysiologisches Wissen)

+ Fallbesprechungen

4. WE -> Modul 5 (Versorgungsbasiswissen)

+ Fallbesprechungen

5. WE -> Modul 6 (Grundbedürfnisse und Besonderheiten bei einer Demenzerkrankung)

+ Fallbesprechungen

6. WE -> Modul 7 (Allgemeine Hinweise)

+ Fallbesprechungen

7. WE -> Modul 8 (rechtliche Grundlagen)

+ Fallbesprechungen

8. WE -> Modul 9 (Selbstsorge der Therapeutin)

9. WE-> Schlussmodul (Prüfung)

Inhalt der Prüfung sind die Hausarbeit (selbst gewähltes Thema)
und das Kolloquium. (ev. praktische Durchführung einer Therapieeinheit)


Nach erfolgreichen Abschluss erhalten die Teilnehmer einen Nachweis über die Teilnahme am Kurs ?Ergotherapie bei Demenz?,
sowie eine Urkunde nach der sie berechtigt sind, sich als zertifizierte ?ErgotherapeutIn bei Demenz? bezeichnen zu können.